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Deutschland: Westerwelles Reise­begleitung stößt auf Kritik

März 10th, 2010 · Geben Sie Ihre Meinung ab

Es wird sicher ein schöner Abschluss seiner einwöchigen Südamerikareise. Bevor es wieder nach Hause geht, informiert sich der deutsche Außenminister Guido Westerwelle (FDP) am Freitag in Rio de Janeiro noch über die Vorbereitungen für die Fußball-WM 2014 und die Olympischen Spiele 2016. Wenn er mit dem Organisationskomitee spricht, ist zwar sein Lebensgefährte Michael Mronz nicht persönlich dabei.  Aber vermutlich wird Westerwelle einiges zu berichten haben, was Mronz interessiert.

Der nämlich ist Eventmanager und als solcher auch im sportlichen Bereich tätig. Das CHIO-Reitturnier in Aachen organisiert er, auch bei der Leichtathletik-WM in Berlin war er diesen Sommer Marketingchef. Doch nicht nur wegen Mronz wirft die Opposition ein besonders scharfes Auge auf Westerwelles Dienstreisen. Denn im Flugzeug sitzen auch Unternehmer – was grundsätzlich nicht ungewöhnlich sind. Minister werden stets von Wirtschaftsdelegationen begleitet.

Allerdings, berichtet der Spiegel, nehme Westerwelle bei Auslandsreisen besonders viele Unternehmer mit, die zuvor der FDP Geld gespendet haben – etwa nach Südamerika, Ralph Dommermuth, Gründer der United Internet AG. Er hatte den Liberalen 2005 50.000 Euro übergeben. In die Schweiz durfte im Jänner Cornelius Boersch, Gründer des Schweizer Finanzinvestors Mountain Partners Group, mitfahren. Seine Großspende an die FDPbetrug 160.000 Euro.

“Dem Amt nicht gewachsen”

“Ich habe große Zweifel, ob Westerwelle als Außenminister überhaupt ministrabel ist. Man gewinnt den Eindruck, dass er diesem Amt nicht gewachsen ist”, sagt der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Thomas Oppermann. Die Grünen verlangen von Westerwelle eine genaue Auflistung, wer seiner Reisebegleiter zuvor an die FDPgespendet hat. SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles will sich auch die Reisekosten von Mronz genau ansehen. Man müsse fragen, ob es “Geschäftsanbahnungen von Herrn Mronz gegeben hat”. Denn eine Verquickung von staatlichen und wirtschaftlichen Interessen wäre nicht hinnehmbar.

SPDund Grüne weisen auch eifrig darauf hin, dass Westerwelles Vorgänger – Joschka Fischer und Frank-Walter Steinmeier – ihre Partnerinnen fast nie auf Reisen mitgenommen haben. Unmut herrscht bei der Opposition zudem wegen eines Auftritts von Westerwelle in Bonn. Vor zehn Tagen eröffnete der Außenminister ein Luxushotel und lobte es in seiner Rede sehr. Die Party hatte sein Lebensgefährte Mronz organisiert.

Freude über “Herrn Mronz”

Westerwelle jedoch weist alle Vorwürfe, er betreibe sein Amt unsauber, zurück. In Brasilien erklärte er, er freue sich, “dass sich Herr Mronz die Zeit nimmt, mich auf eigene Kosten zu begleiten, um sich in der Region über soziale Projekte zu informieren und dafür zu engagieren”. Mronz ist auch Vorstand der von der Bild-Zeitung initiierten Hilfsaktion “Ein Herz für Kinder” und sagt: “Gerade weil wir keine eigenen Kinder haben, möchte ich ein Herz für Kinder zeigen.” In Santiago de Chile hat er einen Scheck über 20.000 Euro übergeben, mit dem Geld werden Kinder in Armenvierteln gefördert. Die bereits erfolgten Reisen nach Japan, China und Südamerika sollen auch nicht die letzten gemeinsamen des Paares gewesen sein. Westerwelle will Mronz demnächst auch nach Afrika mitnehmen.

Erbost über die Kritik der SPDist übrigens die Vizepräsidentin des EU-Parlaments, Silvana Koch-Mehrin (FDP). Sie wirft SPD-Frau Nahles “versteckte Homophobie” und dass diese “die niedersten Vorurteile gegen Schwule” bediene. In Wirklichkeit setze Westerwelle mit den gemeinsamen Reisen “ein Zeichen für ein aufgeklärtes Europa”.

derstandard.at

Tags: International

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